Behandlung von Angstpatienten – Sedierung mit Lachgas

Behandlung von Angstpatienten – Sedierung mit Lachgas

Viele Patienten haben vor dem Zahnarztbesuch Angst oder ein beklemmendes Gefühl, welches viele davor abhält sich in die längst überfällige Behandlung zu begeben. 70 % der Bevölkerung empfindet nach Umfragen deutliche Angst beim Zahnarztbesuch.

Resümee:

Diese Patienten bekommen dann oftmals eine schlechte Erfahrung im Notdienst oder während einer Schmerzbehandlung. Dadurch entsteht ein Teufelskreis der schlecht zu durchbrechen ist.

Die analgetische (schmerzstillende) und sedierende (beruhigende) Wirkung von Lachgas (chemisch N2O, Dickstoffmonoxid) wurde schon früh im 19. Jahrhundert entdeckt. Seitdem wurden Millionen von Behandlungen damit durchgeführt. Die angstlösende (anxiolytische) Eigenschaft macht es zu einem hervorragenden Hilfsmittel bei der Behandlung von Angstpatienten.

Bis heute ist noch kein ernster Zwischenfall dokumentiert worden, der durch Lachgas ausgelöst wurde.

In den USA und in vielen anderen europäischen Ländern wenden über 50 % aller Zahnärzte Lachgas routinemäßig an.

Ziel sollte es sein, und ist durch das Sedierungsverfahren mit Lachgas äußerst sicher, dem Patienten, in einigen, manchmal auch nur in einer Sitzung unter Lachgassedierung (Rauschzustand) die Problembehandlung angstfrei, entspannt und sicher durchzuführen. Danach haben diese Personen oft eine sehr positive Erfahrung und es kann meistens mit normalen regelmäßigen Zahnarztbesuchen weitergemacht werden.

Bei einer ausgeprägten Zahnbehandlungsangst, mit Symptomen bis zu einem Kreislaufkollaps, diese wird dann Oralphobie genannt, ist aber oft auch ärztlicher Rat und evtl. der Kontakt mit einem Verhaltenstherapeuten nötig.

Die Strategie bei der Behandlung mit Lachgas erstreckt sich von psychologischem Stressabbau, über schonende, schmerzlose Behandlung, die Lachgassedierung bis zur Vollnarkose-Behandlung. Letztere hat allerdings erhöhte Nebenwirkungen, ist sehr teuer und gerade für kleinere Behandlungen nicht zumutbar.

Vorgehensweiße, Anwendung und Wirkung einer Behandlung mit Lachgas.

Über eine kleine Nasenmaske wird ein Gemisch aus Sauerstoff und Lachgas verabreicht. Dabei wird mind. 50 – 80 % Sauerstoff gegeben, – mehr als in der Raumluft vorhanden ist. Das CO2 (Kohlenstoffdioxid) wird durch Lachgas ersetzt. Bereits nach wenigen Atemzügen beginnt die Wirkung: von einem Gefühl der Leichtigkeit und Entspannung gelangt der Patient in einen angenehmen Trancezustand. Er ist jederzeit ansprechbar und kann Entscheidungen treffen, verspürt aber das Bedürfnis, die Augen zu schließen. Angst und Verspannung weichen einem beruhigenden Geborgenheitsgefühl. Das Raum-Zeit-Gefühl lässt nach, alles ist kurzweilig. Zusätzlich kann eine Beruhigungsmusik den hypnotischen Effekt des Lachgases unterstützen und verstärken.

Der Patient kann innerlich völlig loslassen und angenehmen Gedanken nachgehen. Die Zeit vergeht dabei oft wie im Fluge. Gleichzeitig mit der Angst nimmt auch die Schmerzempfindlichkeit stark ab. Das Setzen einer Betäubungsspritze im Mund, für viele Patienten sonst eher ein Alptraum, wird praktisch nicht mehr wahrgenommen. Auch der für viele Angstpatienten typische extreme Würgereiz (z.B. bei der Abdrucknahme) und starke Schluckreflexe, die eine zahnärztliche Behandlung oft erschweren, sind unter Lachgas fast völlig aufgehoben.

Dabei kann der Zahnarzt über das Mischverhältnis Sauerstoff – Lachgas die Intensität der Sedierung verändern und individuell auf den Patienten abstellen. Nach Ende der Behandlung atmet der Patient noch ca. 5 Minuten reinen Sauerstoff. Danach ist die Wirkung des Lachgases völlig aufgehoben, der Patient kann die Praxis alleine und mit klarem Kopf verlassen. Einzige Einschränkung ist, dass der Patient eine Stunde danach nicht aktiv am Straßenverkehr teilnehmen darf. Die optimale Steuerbarkeit der Lachgasanalgesie stellt im Vergleich zu anderen Sedierungsverfahren mit Tabletten oder Säften (oral oder intravenös) einen entscheidenden Vorteil dar.

Behandlung ängstlicher Kinder mit Lachgas

Lachgas ist ein bewährtes Hilfsmittel zur Behandlung ängstlicher Kinder. Voraussetzung ist, dass das Kind in der Lage ist, bewusst durch die Nase zu atmen( ab ca. 6 – 7 Jahren). Eine gewisse Einsicht in die Notwendigkeit einer zahnärztlichen Behandlung sollte ebenfalls vorhanden sein, um eine aktive Nasenatmung durchzuführen. Durch die beruhigende und angstabbauende Wirkung des Lachgases können viele Kinder ruhig behandelt werden. Auch ermöglicht die ruhige Behandlungssituation eine bessere Ausführung von Füllungen usw. als dies unter normalen Bedingungen der Fall wäre.

Risiken und Nebenwirkungen

Die Lachgas-Analgesie ist eine extrem sichere Methode. Nicht geeignet ist das Verfahren für Patienten mit behinderter Nasenatmung, psychische Erkrankungen und starken Herzerkrankungen. Auch für Kinder unter 3 Jahren oder hochgradig geistig Behinderte, die nicht bewusst durch die Nase atmen können sowie schwangere Frauen und Personen mit schlechtem gesundheitlichem Allgemeinzustand ist die Behandlung nicht möglich. Als Nebenwirkung kann es nur in seltenen Fällen zu Übelkeit oder Erbrechen kommen! Die Lachgasbehandlungen werden unter pulsoxymetrischer Überwachung durchgeführt. Dabei misst ein Fingersensor ständig die Herzfrequenz und die Sauerstoffsättigung im Blut des Patienten, was ein zusätzliches Plus an Sicherheit bedeutet. Die sorgfältige Anamnese mit dem Zahnarzt, ist wie das ausführliche Aufklärungsgespräch dabei sehr wichtig.

Lachgas ist als eines der best untersuchten Medikamente einzustufen.

Durch gute Ausbildung des spezialisierten behandelten Zahnarztes und mit einer perfekten technischen Ausstattung und Mitarbeit der Helferinnen kann der Angstpatient entspannt loslassen und die nötige Behandlung durchführen lassen. Private Krankenkassen zahlen meist dieses Sedierungsverfahren. Je nach Dauer der Behandlung fallen für den gesetzlich versicherten Patienten Kosten für die Lachgas-Sedierung von 30 bis max. 150 Euro an, je nach Dauer der Behandlung.

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