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Gärten für die Seele – eine Annäherung an ein zeitloses Thema

„Die Seele des Gartens ist unermesslich.“
So steht es im sogenannten „Sakuteiki“, dem ältesten Gartenbuch der Welt aus dem Japan des 11. Jahrhunderts.

Warum machen wir uns die Mühe, ein Stück Garten zu erschaffen?
Was ist die Seele eines Gartens?
Können wir sie finden in den vielen Gärten, deren Gestaltung hauptsächlich Funktionalität (die gern geforderte „Pflegeleichtigkeit“) oder Repräsentation (teure Materialien und Pflanzen) erkennen lassen?
Oder ist sie eher dort zu Hause, wo nicht alles bis zum Letzten „designt“ ist, wo der Garten Überraschungen und Geheimnisse bereit hält, die sich manchmal erst auf den zweiten Blick offenbaren? Oder sogar an Orten, die zunächst ganz unscheinbar erscheinen?

Die Außenwelt ist der Spiegel unserer Innenwelt. Gleichzeitig beeinflusst sie unsere Innenwelt. Ein ansprechender Außenraum bereichert den Menschen und kann ihm helfen, seine innere Mitte zu finden.
Wo Lärm und Geschwindigkeit Gewohnheit ist, wird der ruhige Ort zur Besonderheit.
Nicht nur in Krisenzeiten, aber besonders dann sind Gärten „Ruhepole“.
Orte, um die Seele wieder „aufzutanken“.
Hier können wir Menschen etwas finden, was in unserem schnelllebigen Zeitalter immer wichtiger wird: Raum – für uns selbst, und Ruhe – vor dem Lärm der Welt.

Das kann ein liebevoll gepflasterter Haus-Zugang sein.
Eine schlichte „Miniatur-Komposition“ aus Steinen, Pflanzen und Wasser als ZEN-Garten in einem Vorgarten.
Ein einladender, geschützter Sitzplatz mit Blick in die Weite.
Die Vogeltränke, an der sich die Vögel der Umgebung treffen.
Die handwerklich schön gebaute Trockenmauer aus Sandstein.
Die Holz-Terrasse, auf der man im Sommer gerne barfuß läuft.
Ein plätschernder Bachlauf oder ein ruhiger Teich, in dem sich der Himmel spiegelt.
Schneeglöckchen und Krokusse, die schon im Schnee blühen.
Ein Apfelbaum, der einen im Herbst mit seinen Früchten beschenkt.
Die duftende Kletterrose an der Schatten spendenden Pergola.
Ein buntes Blumenbeet oder der mediterrane Kräutergarten.
Das schattige Beet mit Gräsern und Farnen unter der knorrigen Eibe.
Die Linde, unter deren natürlichem Schatten man gerne im heißen Sommer sitzt.
Eine Skulptur, die dem Garten eine künstlerische Note verleiht.

Kleine Welten der Harmonie und Stille. Einfachheit und gleichzeitig Vielfalt.
Lebendigkeit, Überraschung, liebevolle Details, Abwechslung und Originalität.
Gleichsam erholsame wie inspirierende Orte.
Gekennzeichnet von einer immer wieder anderen und neuen Harmonie der Elemente. All´ das und noch mehr macht die Seele eines Gartens aus.

1.000 Jahre nach dem japanischen „Sakuteiki“ schrieb der Schweizer Landschaftsarchitekt Dieter Kienast:
„Der Garten ist der letzte Luxus unserer Tage, denn erfordert das, was in unserer Gesellschaft am kostbarsten geworden ist: Zeit, Zuwendung und Raum.“

Die Zeiten haben sich gewandelt. Die Faszination des Gartens bleibt bestehen.

 

Autor: Harald Lebener

 

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